Kurz gesagt: ja, aber kaum spürbar
Auch an der Ostsee wirken die Anziehungskräfte von Mond und Sonne. Laut dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) spielen die Gezeiten dort aber eine sehr geringe Rolle: Sie betragen meist nur einige Zentimeter. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nennt für die Ostsee typische Änderungen von 10 bis 30 Zentimetern.
Zum Vergleich: An der deutschen Nordseeküste liegen die Gezeitenunterschiede laut DWD bei 2,5 bis 4 Metern. Dort fallen zweimal am Tag weite Wattflächen trocken, an der Ostsee nicht.
Warum die Ostsee kaum Gezeiten hat
Das IOW erklärt es mit der Form des Meeres: Damit sich Gezeiten in einem Becken selbst ausbilden, müsste es sich sehr weit in Ost-West-Richtung erstrecken. Die Ostsee ist dafür zu klein. Gezeiten aus dem Atlantik und der Nordsee können kaum hineinlaufen, denn mit dem Weltmeer ist sie nur über die engen und flachen Dänischen Straßen verbunden.
Der DWD beschreibt die Ostsee als weitgehend geschlossenes Binnenmeer, flacher als die Nordsee und mit noch begrenzterer Verbindung zum Atlantik. Spürbar ist die Gezeit laut IOW am ehesten nahe den Dänischen Straßen.
Was den Wasserstand an der Ostsee bewegt
Statt der Gezeiten bestimmt vor allem das Wetter den Wasserstand. Starker Wind kann ihn laut DWD um einige Dezimeter heben oder senken. Hält kräftiger Nordostwind an, staut sich das Wasser an der deutschen Ostseeküste; anhaltender Südwestwind sorgt für niedrigere Wasserstände.
Daraus können Sturmfluten entstehen, an der Ostsee auch Sturmhochwasser genannt. Das BSH zählt dort vier Klassen, gemessen über Normalhöhennull (NHN): Sturmflut ab 1,00 m, mittlere Sturmflut ab 1,25 m, schwere Sturmflut ab 1,50 m und sehr schwere Sturmflut ab 2,00 m. Passend dazu gibt es im Wasserstandsdienst des BSH für die Ostseepegel keine Gezeitenkurve, sondern Messwerte und Wasserstandsvorhersagen.
Was das für deinen Urlaub heißt
An der Ostsee musst du deinen Strandtag nicht nach Ebbe und Flut planen: Das Wasser bleibt ungefähr da, wo es ist. Wichtiger sind Wind, Wellen und Strömung. Achte beim Baden auf die Flaggen der Rettungsschwimmer und bei Sturm auf die Warnungen von BSH und DWD.
Wer Ebbe und Flut erleben möchte, mit Wattflächen, Prielen und einem Meer, das sich zurückzieht, fährt an die Nordsee. Die Zeiten für über 50 Orte zwischen Sylt und Borkum zeigt die Gezeitenkarte.
Die Ostsee hat Gezeiten, aber meist nur von wenigen Zentimetern. Den Wasserstand bestimmt dort vor allem der Wind; Ebbe und Flut im großen Stil gibt es an der Nordsee.
Tide für deinen Ort ansehenHäufige Fragen
Gibt es an der Ostsee Ebbe und Flut?
Ja, aber sie fallen kaum auf. Laut IOW betragen die Gezeiten der Ostsee meist nur einige Zentimeter, laut DWD liegen typische Änderungen bei 10 bis 30 Zentimetern.
Warum hat die Nordsee Ebbe und Flut und die Ostsee kaum?
Die Nordsee ist weit zum Atlantik geöffnet, aus dem die Gezeitenwelle kommt. Die Ostsee ist dafür zu klein und nur über die engen, flachen Dänischen Straßen mit dem Weltmeer verbunden.
Ab wann ist an der Ostsee Sturmflut?
Laut BSH ab einem Wasserstand von 1,00 Meter über Normalhöhennull. Ab 1,25 m spricht es von mittlerer, ab 1,50 m von schwerer und ab 2,00 m von sehr schwerer Sturmflut.